Buchempfehlung „Widerspruch aus Loyalität“ von Klaus Mertes

Mit den Worten „Widerspruch“ und „Loyalität“ im Titel scheint Klaus Mertes ein Buch der Stunde zur kirchlichen Lage in Deutschland, aber auch weltweit im Jahr 2019 zu sein. Doch es ist bereits vor 10 Jahren erschienen.

Klaus Mertes versucht eine Verbindung zwischen zwei Haltungen zu schlagen, die auf den ersten Blick wie die sich ausschließenden Brennpunkte einer Ellipse anmuten: entweder ist man loyal gegenüber seiner Kirche oder man widerspricht ihr – mit der jeweils dazugehörigen Gefühlspalette. Doch das kleine Wort „aus“ schafft eine geradezu paradoxe Beziehung – Widerspruch aus Loyalität.

Jesus als Referenzpunkt

Auch wenn es zunächst überraschen mag, ist Jesus von Nazareth der entscheidende Referenzpunkt, für diese Haltung. Denn er tritt aus selbstverpflichtender Loyalität gegenüber seiner Sendung, über die er sich im Laufe seines geistlichen Prozesses und seines Lebens vor seinem himmlischen Vater bewusst geworden ist, bewusst in Widerspruch zu seiner Familie und dem religiösen Establishment seiner Zeit. Nicht weil er ein Krawallmacher war, sondern weil er nicht anders handeln zu konnte und wollte. Deswegen suchte er die Nähe zu den Sünderinnen und Sündern, weil er darin den Willen Gottes für sein Leben entdeckt hatte.

Geister unterscheiden

Für den heutigen Leser aktuell wie nie ist zum einen die Beschreibung der „Unterscheidung der Geister“, einem Motor der ignatianischen Spiritualität, zum anderen die detaillierte Veranschaulichung des praktischen Vollzugs der „Regeln zum Fühlen mit der Kirche“, die Ignatius von Loyola in seinem Exerzitienbuch ausführlich beschreibt. So gelingt es Klaus Mertes verständlich zu machen, dass ein recht verstandener Widerspruch aus Loyalität letztlich einen Dienst für die Kirche darstellt. Zugleich findet immer wieder die Ermahnung statt, sich der eigenen Motivationen niemals vollends sicher und dafür umso bewusster zu sein, die Unterscheidung der Geister immer wieder anzugehen und Begegnung und Dialog mit jenen Menschen zu suchen, die einer anderen Meinung sind. Denn wie ein Exerzitienbegleiter ist jeder Christ aufgerufen, die Aussagen und Handlungen des Anderen zu verstehen und zu retten zu versuchen. Die Lektüre dieses Buches kann helfen, die eigene Haltung zur Kirche neu und kritisch zu hinterfragen und ermutigt im persönlichen Ringen immer zuerst auf das Handeln und die Botschaft Jesu zu schauen.

 

Klaus Mertes‘ Buch ist in der Serie „Ignatianische Impluse“ des Echter Verlages erschienen und kostet 7,90€.

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