Gesandt zum Dienen – Zwei neue Diakone

„Ich musste meinem Leben ein Zentrum geben“

Zwanzig Jesuiten aus vier Kontinenten haben am 11. April in der Jesuitenkirche Il Gesù in Rom das Sakrament der Diakonenweihe empfangen. Zu ihnen gehören der 42-jährige Lukas Kraus aus Birkenfeld im Hunsrück und der 46-jährige Mathias Werfeli aus Basel. Beide haben sich auf sehr unterschiedlichen Wegen dem Jesuitenorden genähert.

Statt Mathematik „Gott dienen, ihn loben und ihn verehren“

Der Lebensweg des jüngeren Kraus war vielleicht vorgezeichnet: Er wuchs in einer religiösen Familie in Birkenfeld an der Nahe auf, einem Ort in der Diaspora, wie er sagt. „Da war der praktizierende Katholik schon erkennbar“, womit er sagen will, dass der Glaube bereits früh seine Identität prägte.

Zunächst studierte Kraus Mathematik. „Doch gegen Ende des Studiums habe ich Gott entdeckt, der die Quelle alles Wahren und Guten ist. Dass man sein Leben ihm ganz widmen kann, hat mich viel mehr angezogen als Mathematik.“

Für seine Entscheidung, in den Orden einzutreten, hat er sich allerdings Zeit gelassen: insgesamt zehn Jahre. Für den Mathematiker war letztlich sein Studium an den Jesuiten-Hochschulen Sankt Georgen in Frankfurt und in Innsbruck ausschlaggebend. Während dieser Studienjahre habe er Zeit gehabt zur inneren Prüfung, sagt Kraus. Und er erkannte, dass er wie Ignatius „Gott dienen, ihn loben und ihn verehren“ wolle. „Den Weg zur Verwirklichung dieses Zieles habe ich individuell für mich bei den Jesuiten gefunden.“ 2016 trat Kraus in den Orden ein. Zwei Jahre später legte er seine ersten Gelübde ab.

Dem Jesuiten-Motto „bis an die Grenzen gehen“ näherte sich Kraus schrittweise an. Das Armutsexperiment während des Noviziats zeigte ihm diese Grenzen auf, als er zusammen mit dem Litauer Donatas Kuzmickas einen Monat lang ohne Geld von Nürnberg nach Wien wanderte. Kraus lernte, dass nicht Geld sondern das Vertrauen auf Gott das Wichtigste ist. In dieser Zeit, so erinnert er sich, habe es ihn besonders berührt, mit völlig Fremden nicht nur Essen und einen Schlafplatz, sondern vor allem den Glauben zu teilen.

Was ihn nun erwarte, überlasse er seinen Vorgesetzten. „Ich kann mich sehr gut einfinden in das, was in den geistlichen Übungen steht: Gott zu dienen, ihn zu loben und zu verehren und so die Seele zu retten.“ Anderen diesen Weg zu Gott zu zeigen, darin sieht Kraus seine künftige Aufgabe. Für Dienst in Schule, Hochschule oder Pastoral sei er offen: „Ich bin in den Orden eingetreten mit der Offenheit, das zu machen, was gebraucht wird, und ich nehme meine Sendungen vom Provinzial entgegen. Ich bin froh, dass ich die Freiheit erreicht habe zu sagen: Das, was gebraucht wird, das werde ich machen.“

In Christus dem Leben ein Zentrum geben

Erstaunlich ist der Werdegang von Mathias Werfeli. Zunächst studierte er Geschichte und Anglistik an der Universität Basel. Gleichzeitig arbeitete er in der Passagierabfertigung am Flughafen Basel. Schließlich war er beim Militär und stieg bis zum Sanitätsoffizier auf. Zu dieser Zeit half er auch bei der Organisation des Baseler Tattoo-Festivals mit. Diese unterschiedlichen Beschäftigungen seien nicht Zeichen seiner Unentschlossenheit gewesen, sagt er, sondern er sei einfach „vielseitig interessiert“. Vielen Studenten biete sich heute ein Überangebot an Möglichkeiten. Da sei es schwer, „sich für eine Sache zu entscheiden und dann wirklich dafür zu stehen“. Doch dann trat er mit 38 Jahren in den Orden ein – ein Schritt, der auch von den Jesuiten Flexibilität erforderte.

Werfeli, der aus einer reformierten Familie stammt, konvertierte als Erwachsener zur ukrainischen griechisch-byzantinischen Kirche. Schon als Jugendlicher begeisterte er sich für die Liturgie und Musik der Ostkirche. Als Vorstufe zur Diakonenweihe diente er zwei Jahre als Subdiakon in der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche; zuletzt in den Gemeinden von Basel und Zürich.

„Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich meinem Leben ein Zentrum geben muss“, sagt Werfeli. Zwei Dinge hätten ihn auf die Jesuiten aufmerksam gemacht: Während seines Studiums war es die von Jesuiten betriebene Studentenseelsorge in Basel. „Ich habe dort Exerzitien gemacht und gemerkt, wie gut mir das tut.“ Ein weiterer Grund war, dass Werfeli die Kirche schon immer als Ort der Ruhe und des Friedens erlebt hat. „Nicht im Sinne von Friede, Freude, Eierkuchen – wir wissen alle um die Probleme innerhalb und außerhalb der Kirche – sondern weil ich innere Ruhe in meinem hektischen Leben gefunden habe.“

Derzeit studiert Werfeli in Rom ostkirchliche Liturgiekunde. „Was wir als Jesuiten der Welt zeigen müssen, ist, dass wir unsere Armut auch ernst nehmen.“ Theodosius vom Höhlenkloster in Kiew ist für Werfeli ein Vorbild, „weil er damals das Priesteramt angenommen hat, weil er es als Dienst an der Gemeinschaft verstand, nicht weil er etwas Heiliges wurde.“ Auch für Werfeli ist der Dienst am Menschen wichtig, wobei er den Dienst groß schreibt. So wie Jesus seinen Jüngern die Füße gewaschen hat.

Wie seine Zukunft aussehe, das überlasse er seinem Provinzial. Der kenne seine Stärken wie seine Schwächen. Er könne überall in der Zentraleuropäischen Jesuitenprovinz byzantinische Liturgie feiern und der ukrainischen Gemeinde dienen. „Gott weiß schon, wohin er mich stellt.“

Brigitte Schmitt, Rom

Siehe: https://www.jesuiten.org/news/ich-musste-meinem-leben-ein-zentrum-geben

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