Ausbildung

Jesuit sein heißt Jesuit werden

Der Ausbildungspräfekt P. Christoph Soyer SJ

An das Noviziat und die ersten Gelübde schließt sich eine lange
Ausbildungszeit an,  in der es buchstäblich darum geht,  mit Kopf, Herz und Hand weiter in den Orden und seine Sendung hineinzuwachsen.

Egal, welche Vorerfahrungen, ob Studium oder Ausbildung, Du mitbringst, wir bauen darauf auf. Wir stellen hier den Weg vor, der die Priesterweihe einschließt. Entscheidet sich jemand dafür, Bruder zu werden, wird der Weg individuell mit dem Ausbildungspräfekten abgestimmt.

Beide Wege, der eines Bruders und der eines Pater, haben eines gemeinsam: Viel Abwechslung zwischen Theorie- und Praxisphasen und die Begleitung durch den Ausbildungspräfekten.

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Philosophiestudium

Theoriephase

Männer, die Jesuit und Priester werden, studieren zuerst Philosophie, in der Regel an der ordenseigenen Hochschule für Philosophie in München. Die Scholastiker, so nennen wir Jesuiten in diesem Ausbildungsabschnitt, leben währenddessen in kleineren, oft internationalen Kommunitäten und engagieren sich neben dem Studium im sozialen Bereich.

2

Magisterium

Praxisphase

Das Magisterium ist gewissermaßen ein Praktikum, bei dem es darum geht, das Arbeiten im Orden besser kennenzulernen, eigene Erfahrungen zu sammeln und einzuüben, wie sich Gebet und Arbeit zusammenbringen lassen. Typische Einsatzorte sind die Schul- und Jugendarbeit, Pastoral oder ein soziales Werk des Ordens – Hauptsache, nah an und mit den Menschen. Zu dieser Zeit lebt man in einer ganz normalen Jesuitenkommunität.

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Theologiestudium

Theoriephase

Wie schon die Philosophie steht auch die Theologie im Dienste eines unserer Hauptanliegen: „Den Seelen zu helfen“ und „Gott in allen Dingen zu finden“ – Es geht also um viel mehr als die reine Wissensvermehrung. Theologie studiert man normalerweise im Ausland, denn so kann man die weltweite Dimension des Ordens am besten erfahren.

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Weihen

Praxisphase

Auf die Studien folgen die Weihen zum Diakon und Priester. Meistens sind wir Jesuiten bereits im (pastoralen) Einsatz, wenn es soweit ist. Aber natürlich werden auch die Weihen vorbereitet: Alle Kandidaten treffen sich für den „Arrupe-Monat“, in dem sie sich intensiv mit dem Jesuit- und Priester-Sein auseinandersetzen. Die Weihen selbst erfolgen dann wie bei Diözesanpriestern durch einen Bischof.

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Pastoralzeit

Praxisphase

In der Pastoralzeit geht es darum, unser Wissen aus Studium und Ordensausbildung ganz praktisch für Gott und die Menschen einzusetzen. Egal ob als Hochschulseelsorger, Exerzitienmeister, Lehrer, Schulseelsorger, Therapeut oder Dozent – Hauptsache mitten unter den Menschen.

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Aufbaustudium

Theoriephase

Das Aufbaustudium ist typisch für uns Jesuiten. Es dient dazu, bestmöglich für den Dienst an Gott und den Menschen gerüstet zu sein, egal in welchem Bereich. Wie das Aufbaustudium genau aussieht, hängt von den Begabungen und Einsatzorten eines jeden Jesuiten ab: Manche machen eine psychologisch-therapeutische Ausbildung, andere studieren eine Naturwissenschaft und wieder andere erhalten ordensinterne Ausbildungen. Die Berufung zum jesuitschen Leben bleibt dabei natürlich auch im Blick.

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Terziat

Praxisphase

Manchmal wird das Terziat auch als „zweites Noviziat“ bezeichnet. In diesem Jahr geht es darum, in fremder Umgebung noch tiefer in die Berufung zum Jesuit Sein und die Christusnachfolge hineinzuwachsen. Dazu gehören neben der praktischen Arbeit auch nochmal 30-tägige Exerzitien. Nach dem Terziat legen Jesuiten die letzten Gelübde ab und sind damit „Vollmitglieder“ der Gesellschaft Jesu.